Werde Herr deiner Finanzen – Teil 3: Verzichte auf Konsumschulden

Werde Herr deiner Finanzen

Im dritten Teil der Step-by-Step-Reihe: Einstieg – Werde Herr deiner Finanzen geht es um das Thema Verzichte auf Konsumschulden.


Einstieg – Werde Herr deiner Finanzen

Dieser Beitrag ist Teil eines Step-by-Step-Tutorials. Folgende Beitrage zur ersten Tutorial-Reihe Einstieg – Werde Herr deiner Finanzen sind dazu auf Investkinx unter der Rubik kinx.tutorials veröffentlicht:


Verzichte auf Konsumschulden

Mittlerweile sollte dir der erste Teil Führen eines Haushaltsbuches in Fleisch und Blut übergegangen sowie deine persönlichen Geldfresser (Teil 2) bekannt sein. Denn letzteres können deine Ausgaben unnötig stark belasten.

Innerhalb der Step-by-Step-Reihe: Einstieg – Werde Herr deiner Finanzen wollen wir uns als nächstes mit deinen Konsumschulden beschäftigen. Denn diese sind eine spezielle Art von Geldfressern und sollten im besten Fall nicht in deinem Finanzplan auftauchen. Ansonsten gilt wieder die Devise: „Finden und Vernichten!“ Warum das so wichtig ist, möchte ich dir mit diesem Beitrag erklären.

Weitere Tutorials inklusive deren Beiträge findest du in der Rubrik: Step-by-Step. Außerdem sind alle Artikel direkt im Blog unter der Kategorie: kinx.tutorials aufgeführt.

 

Was sind eigentlich Konsumschulden?

Konsumschulden entstehen, wie es der Name teilweise schon verrät, durch den Erwerb von Konsumgütern. Handelt es sich hierbei um eine größere Anschaffung, die nicht mehr durch Eigenkapital bezahlt werden kann, werden weitere Geldmittel von Dritten benötigt.

Wir müssen uns also Fremdkapital leihen. Dieses Kapitel wird mit einem Aufschlag (Zins) versehen und ist über eine festgelegte Zeit zurückzuzahlen. Während der Rückzahlphase haben wir also Schulden.

Besonders beim Erwerb eines Fahrzeuges wird sehr oft von einer Investition gesprochen. Das ist es aber keinesfalls. Es handelt sich dabei um eine Verbindlichkeit. Diesen Unterschied solltest du als Investkinx kennen. Ansonsten empfehle ich dir unbedingt den Beitrag Verbindlichkeiten und Investitionen zu lesen.

Eine Investition hat immer etwas mit einer Wertschaffung und/oder -steigerung zu tun. Beispielsweise erhälst du durch eine Immobilien regelmäßige Mieteinnahmen. Konsumgüter hingegen sind keine Investition zur Wertsteigerung. Dazu zählen Auto oder Motorräder. Kurzum sie verlieren an Wert. Hinzu kommen wiederkehrende Ausgaben für Benzin, Verschleiß und Reparaturen.

Dementsprechend entzieht dir das Auto dein Geld, anstatt es zu vermehren. Assets, wie bspw. Aktien oder Immobilien können hingegen über die Zeit an Wert gewinnen. Zudem sind Einkünfte in Form von Dividenden, Mieten oder Verkaufsgewinnen möglich.

Wenn ihr also Verbindlichkeiten eingeht, zahlt ihr durch die Festlegung eines Zinses zusätzliche Gebühren. Diese wirken auf den ersten Blick vielleicht sehr klein und scheinen für euch auch bezahlbar zu sein. Du solltest aber nicht vergessen, welcher Zeithorizont dahintersteht.

Genauso wie der Zins für dich arbeiten kann, wird er bei Verbindlichkeiten sich negativ auf deine Finanzen auswirken. Über Monate oder sogar Jahre kann neben dem eigentlichen Darlehen so eine zusätzliche hohe Summe zusammenkommen.

Ein Beispiel für Konsumschulden

Damit du eine bessere Vorstellung bekommst, möchte ich dir gerne ein Beispiel aus dem Buch Kaufen oder mieten?* von Gerd Kommer aufzeigen.

Es handelt von einem durchschnittlichen Eigenheimkäufer, der 1985 eine Immobilie für 100.000€ erwarb. Diese finanzierte er zu 70% mit Fremdkapital. Nach nach vollständiger Rückzahlung des Darlehens (ca. 30 Jahren) hatte der Eigenheimkäufer folgende Ausgaben:

  • 30.000€ Eigenkapital und 70.000€ Darlehen
  • 110.500€ Zinsen
  • 51.600€ Instandhaltungskosten
  • 10.000€ Kauf- und Nebenkosten

Allein die Zinsen an die Bank betragen 110.500€!  Das enspricht mehr als den eigentlichen Kaufpreis! Daran erkennst du, wie stark sich Konsumschulden auf deine Finanzen auswirken können. Vielleicht sind deine Darlehen nicht so hoch. Vielleicht ist auch dein Zeithorizont für die Rückzahlung nicht so lang. Allerdings können auch kleinere Beträge ein größeres Loch in deine Haushaltskasse reißen.

Konzept der persönlichen Vermögensbilanz

Nun bist du selbst gefragt! Kommen wir zu deiner ganz persönlichen Vermögensbilanz.

Unternehmen besitzen eine Bilanz aus Vermögenswerten und Kapitalquellen, mit denen neue Vermögenswerte generiert werden. Zum Zeitpunkt der Fremdfinanzierungen sind diese als Vermögensquellen zu betrachten.

Bei der Aufschlüsselung der Vermögensbilanz wird auch von Aktiva und Passiva gesprochen. Wie ein Unternehmen hat auch genauso ein privater Haushalt eine Bilanz vorzuweisen. Zum Beispiel kann diese, wie in der Tabelle dargestellt, aussehen.

Vermögensbilanz

Am besten du nimmst dir jetzt etwas zum Schreiben und notierst deine gesamten Vermögenswerte sowie Vermögensquellen. Hast du dies geschafft, dann summierst du jeweils deine Aktiva zu deinem Gesamtbruttokapital. Anschließend bestimmst du deine Gesamtschulden.

Am Ende wird das Eigenkapital berechnet. Dies entspricht der Differenz, welche die Vermögenswerte und Vermögensquellen der Bilanz ausgleicht. Demzufolge müssen deine Aktiva und Passiva in der Bilanz immer den gleichen Betrag aufweisen.

Das Beispiel aus der Tabelle zeigt ein Eigenkapital von nur 100.000€. Demgegenüber beträgt das Gesamtbruttokapital 250.000€. Aus diesem Grund weist die Vermögensbilanz eine hohe Fremdkapitalquote von 60% auf. Dein Eigenkapital liegt bei 40%.

Es ist wichtig, dass du immer das Gesamtbild deiner Vermögensbilanz im Auge hast. Kredite sollten nicht nur auf einzelne Produkte, wie zum Beispiel das Haus, bezogen werden. Aufgrund des hohen Anteils an Fremdkapital und des damit verbundenen Risikos eines Gesamtverlusts sollten deine Aktiva sowie Passiva unbedingt neu geordnet werden.

 

Maßnahmen zur Reduzierung deiner Konsumschulden

Bei der oben dargestellten Vermögensbilanz ist es sinnvoll, deine vorhandenen Vermögenswerte einzusetzen, um deine Schulden zu begleichen. Denn die anfallenden Zinsen durch die Kredite übersteigen meist die Zinsbeträge, die du durch Anleihen oder Kapitalversicherungen bekommst.

 

Wie das funktioniert soll?

Anhand eines Beispiels könnte das wie folgt in drei Schritten geschehen:

1. Minimierung deines Barvermögens auf max. 3 bis 6 Monatsgehälter und Abschaffung deiner Anleihen.

Einen gewissen Betrag an Bargeld hälst du als Sicherheitspolster. Die Anleihen hingegen können verkauft werden. Der Gewinn dieser Assetklasse wird kleiner als die anfallenden Kreditzinsen liegen.

Fang nun an. Mit dem freiwerden Geld zahlst du die teuersten Kredite ab. Nach obigen Beispiel wären das die Kreditkartenschulden. Bleibt danach Geld übrig, dann tilge anschließend den Dispot- und zuletzt den KfZ-Kredit.  

2. Löse deine Kapitallebensversicherung auf

Zweitens empfehle ich dir, deine Kapitallebensversicherung aufzulösen. Dadurch kann eine weitere Tilgung deiner Kreditschulden stattfinden. Hast du deine Schulden vollständig begleichen können, fließt das noch vorhandenes Kapital in dein Eigenheim.

Auch bei Kapitallebensversicherungen liegt der Gesamtgewinn mit hoher Wahrscheinlichkeit unter den anfallenden Kreditzinsen eines Eigenheims.

3. Verkaufe deine Aktien und Aktienfonds

Auch wenn dieser Schritt gegen eine Buy & Hold-Strategie spricht. In den meisten Fällen liegt die Rendite der Aktienfonds nicht höher als die Aufwandszinsen für das Eigenheim. Daher ist zu empfehlen, diese Fonds unter diesen Umständen aufzulösen.

Dieser Aspekt sollte dir bei deiner Lebens- und Finanzplanung im Vorfeld bewusst sein. Darüberhinaus brauchen wir ein solides Fundament für ein erfolgreichen Vermögensaufbau.

Fazit: Neue Vermögensbilanz

Nach Abschaffung deiner Anleihen, Auflösung deiner Kapitallebensversuchung und Verkauf deiner Kapitalanlagen sieht die neue Vermögensbilanz wie folgt aus:

Vermögensbilanz

Der Rechnung zur Folge hättest du deine Eigenkapitalquote, um einiges erhöht. Mit über 54% an Eigenkapital schläft es sich sicherlich gleich viel besser. Zudem sinkt mit einem kleineren Gesamtbruttokapital das finanzielle Risiko in deinem Haushalt.

Natürlich trifft diese Rechnung nicht auf alle zu. Das ist mir bewusst. Das Beispiel soll dir hauptsächlich ein grundlegendes Verständnis dafür geben, wie Konsumschulden sich auf deine gesamte Vermögensbilanz auswirken können.

Über 90% der Menschen machen sich darüber keine Gedanken. Sie nehmen ihre Schulden einfach so hin. Um aber langfristig Vermögen aufzubauen und deine finanziellen Ziele zu erreichen, solltest du deshalb noch heute anfangen, deine Vermögensbilanz aufzustellen.

 

Wie sieht deine Vermögensbilanz aus? An welchen Positionen musst du noch arbeiten? Hast du Fragen oder Anregungen zum Thema? Dann freue ich mich auf deine Rückmeldung.

 

Kinx regards,
Christian

 


Titelfoto zum Blogbeitrag: Cuba Gallery „shopping“ von flickr.com

2 thoughts on “Werde Herr deiner Finanzen – Teil 3: Verzichte auf Konsumschulden”

  1. Hallo Marcus,

    danke für deinen interessanten Comment. Ich stimme deine Einwende grundsätzlich zu. Solche Änderungen im Portfolio sollten natürlich genau geprüft werden.

    Grundsätzlich soll dir dieses Beispiel zeigen, wie du deine Vermögensbilanz gesamtheitlich mit kleinen Änderungen deutlich verbessern kannst. Wichtig ist hier, dass du Schritte nachvollziehen kannst und individuell auf deiner Situation anpasst bzw. überführst.

    Besonders die von dir erwähnte Beitragsfreistellung der KLV wäre ein guter Mittelweg. Auch deine Anmerkungen zum Thema Aktienverkäufen müssen ebenfalls beachtet werden. Der eff. Zins spielt hier eine wesentliche Rolle. Ich würde aber aus meiner Sicht keine Abschätzung machen wollen, wie sich meine Aktien in Zukunft entwickeln werden. Auch wenn diese in der Vergangenheit über den Darlehenszins lagen, bedeutet das nicht, dass es morgen ebenfalls noch so laufen wird. Hier ist Vorsicht geboten.

    Weiterhin ist das Darlehen in den meisten Fällen höher als das eigene Aktienportfolio, wodurch die zu zahlenden Zinsen deutlich stärker ins Gewicht fallen. Besteht die Möglichkeit diese zu tilgen, kannst du auch in Zukunft von geringeren Zinsbeträgen profitieren.

    Bzgl. deiner Frage zu „0-Prozent-Kredite“:

    Dieser Beitrag ist Teil des ersten Step-by-Step-Tutorials: Einstieg – Werde Herr deiner Finanzen. Inhalt dieser Reihe ist, anzufangen die eigenen Finanzen unter Kontrolle zu bringen. Der Beitrag ist also vorwiegend an „Finanz-Neulinge“ gerichtet. Der Leser soll lernen seine Einnahmen und Ausgaben zu überprüfen, seine Geldfresser zu finden und auf Konsumschulden zu verzichten. Das Thema „0-Prozent-Kredite“ wäre also vielleicht für einen Einzelbeitrag interessant.

    Der aktuelle Beitrag zeigt darüber hinaus aber auch gleichzeitig mögliche Wege, diese Schulden abzubauen. Viele fangen an, über Aktienkäufe nachzudenken, trotz Konsumschulden. Auch hier soll der Artikel zeigen, dass es wichtig ist, erst ein gutes Fundament zu haben. Ansonsten kann das Kartenhaus bei kleinen Erschütterungen zusammenbrechen.

    Kinx regards,
    Chris

  2. Ein interessanter Artikel mit einem prima Beispiel.

    Allerdings sollten die Tipps nicht so pauschal gegeben werden.

    Vielleicht wurde die KLV abgeschlossen, als es noch einen (aus heutiger Sicht) netten Garantiezins gab. Ein Verkauf dieser ist i.d.R. mit herben Verlusten verbunden. Unter Umständen ist eine Beitragsfreistellung sinnvoller. Die freigewordenen Mittel können dann in den Schuldendienst gesteckt werden.

    Bei den Aktienverkäufen zur Eigenheimtilgung muss man mehrere Punkte im Auge behalten:
    – Zu welchem eff. Zins wurde das Darlehen aufgenommen? Was bringt also mehr? Der Zinseszins der Aktien oder ein niedrigerer Zinsverlust durch Tilgung?
    – Ist eine Sondertilgung vertraglich überhaupt möglich? Und wenn ja bis zu welcher Höhe ist diese kostenlos? Was bringt es, Wertpapiere im Wert von 35.000€ zu liquidieren und dann ist eine jährliche Sondertilgung ohne Strafzins nur i.H.v. 10.000€ möglich.

    Wer 5.000€ Dispo und 10.000€ Kreditkartenschulden anhäuft, hat aus finanzieller Sicht schon einiges falsch gemacht. 😉 (zumal noch 20.000€ auf dem Konto versauern)
    Wenn die Anleihen sehr alt sind und einen guten Kupon haben, könnte man über eine Umschuldung auf einen günstigen Ratenkredit nachdenken. Sofern diese Differenz (Rendite Anleihe – eff. Zins Ratenkredit) positiv ist, liegt man im Plus und muss seine (in diesem Fall) attraktiven Anleihen nicht verscherbeln.
    In diesem Fall muss sich am Konsumverhalten aber grundsätzlich etwas ändern. Sonst steht die Person in 3-6 Monaten wieder am Punkt X. ….

    Ein anderes Thema:
    Machst du noch einen Sonderartikel zum Thema „0-Prozent-Kredite“ und wie man diese (bei entsprechender Disziplin) sinnvoll nutzen kann?
    An solche „Kleinkredite“ für TV, Couch, Küche usw. habe ich bei der Überschrift zuerst gedacht. Das ging hier aber etwas unter.

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