Finanzmythos: Aktiv gemanagte Fonds

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Die größte Gefahr beim Investieren ist die Unwissenheit. Diese kann dir großen Schaden zufügen. Daher wird es Zeit mit einigen Finanzirrtümern aufzuräumen. In diesem Beitrag geht es um aktiv gemanagte Fonds und deren Mythos „Fonds schlagen den Markt“.



Warum ist es besser seine Finanzen selbst in die Hand zu nehmen?

 

„Risiko entsteht daraus, dass man nicht weiß, was man tut.“

Warren Buffet

 

Das Spiel hat sich geändert

Der Großteil der in Deutschland lebenden Bürger beschäftigt sich leider nur sehr oberflächlich mit seinen eigenen Finanzen. Ich möchte sogar behaupten, dass dies auch weltweit zu trifft. Der Verlass auf Vater Staat war bisher sehr groß. Es gab also keinen Grund für Eigeninitiative.

Damals war noch Verlass auf die staatliche Rente und ein lebenslanges Einkommen. Unsere Eltern waren nicht ansatzweise mit der heutigen Komplexität und Risiken konfrontiert.

Nun hat sich das Spiel aber geändert!

Mittlerweile stellt sich zum Glück aber ein Umdenken ein. Und das zu Recht. Leider nur zu langsam und  die Rettung bzw. den Ausgleich sollen dann aktiv gemanagte Fonds bringen.

Fakt ist:

Der Staat kommt nicht mehr vollständig für dein Leben nach der Arbeit auf. Das ist Geschichte. Ich habe das Gefühl, dass bei den neuen Generationen etwas Einsicht einkehrt. Für das Rentenalter muss und sollte zusätzlich vorgesorgt werden.

Doch wie zusätzlich vorsorgen? 

Etwa bei der Bank deines Vertrauens durch das Investieren in aktiv gemanagte Fonds?

 

Ein Investment-Angebot

Würdest du dein gesamtes Kapital (100 %) einsetzen, wenn du bei einer Investition alleine das ganze Risiko (100 %) trägst? Hinzu kommt, dass du deine Gewinne bis zu 60 % abgeben darfst. Und damit noch nicht genug. Darüber hinaus wirst du auch bei Verlust für die Unkosten aufkommen müssen.

Also, was sagst du? Investierst du?

Ich hoffe, dass du dies nicht als eine faire Investition siehst. Jedoch investieren scheinbar die meisten Menschen nach diesen Randbedingungen. Nach dem Buch Money* von Tony Robins, investieren so 90 % der Amerikaner. 90 %!

 

Aber wieso?

Besitzt du selbst aktiv gemanagte Fonds bei einer seriösen Bank?

Aktiv gemanagte Fonds

Wenn ja, dann gehörst du ebenfalls dazu! Genauso funktionieren aktiv gemanagte Fonds. Nach Tony seinen Recherchen beteiligen sich weltweit über 265 Millionen Anleger daran. Die Fonds umfassen damit insgesamt Kapital von 13 Milliarden Dollar.

So viele Anleger für eine derart schlechte Investition zu überzeugen, kann nur durch ein sehr gutes Marketing erfolgen. Die Gebühren sind versteckt. Die Vorteile eines Fondmanagers werden geschickt hervorgehoben. Zudem ist das ja auch die Bank deines Vertrauens!

Ich möchte damit nicht über Makler oder Banker schlecht reden. Ich gehe davon aus, dass die Mehrheit bestrebt ist, ihren Kunden das Beste anzubieten. Sie sind aber an bestimmte Produkte und Randbedingungen ihres Arbeitgebers gebunden.

 

Die Wahrheit über aktive gemanagte Fonds

Die Medien sind voll mit heißen Aktientipps und Fondsempfehlungen. Die Werbekampagnen laufen auf Hochtouren. Deren einziges Ziel ist es, dir das Gefühl zu vermitteln, sofort einzusteigen und investieren zu müssen.

Finanzpornografie

Autoren, wie Jane Bryant Quinn oder Gerd Kommer, bezeichnen diesen Hype zurecht als Finanzpornografie. Ich kann dieser Aussage nur zustimmen. Lass dich nicht auf die Illusion ein, die Fähigkeit eines Fondsmanagers sei besser als deine!

Sein theoretisches Wissen über den Aktienmarkt kann durchaus deutlich größer sein. Lass dich davon aber nicht abschrecken. Seine Verkäuferfunktion und sein begrenzter Handlungsspielraum machen diesen Vorteil wieder zunichte.

Das glaubst du nicht?

Dann solltest du dir vor Augen führen, dass über 96 % der aktiv gemanagten Fonds den Markt langfristig hinterherlaufen.

Als Markt wird ein Aktienindex bezeichnet, wie bspw. der DAX. Dieser setzt sich aus den 30 höchst bewerteten Unternehmen in Deutschland zusammen. Die Bewertung erfolgt nach der Marktkapitalisierung.

Kaum jemand kann den Markt schlagen

Investorengrößen wie Ray Dalio oder Warren Buffet sind überzeugt, dass kaum jemand den Markt schlagen kann. Anstatt dies zu versuchen, sollten Privatanleger lieber in passive ETF´s oder Indexfonds investieren. Gerd Kommer belegt diese Aussagen gründlich in seinem Buch Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs*.

 

 

Robert Arnott, ein weiterer Finanzexperte, studierte über 15 Jahre die 200 größten aktiv gemanagten Fonds. Das Gesamtvermögen derer betrug über 100 Millionen  Dollar. Seine Recherchen im Buch The Fundamental Index* brachten hervor, dass zwischen 1984 und 1998 nur acht von 200 Fondmanager, den Vanguard-500-Index schlagen konnten. Nur 4 %!

Für diejenigen, die mit dem Vanguard-500-Index nichts anfangen können. Dieser spiegelt den S&P 500 wider und wurde von J. C. Bogle gegründet.

 

 

Minimieren Fondmanager dein Risiko?

Ziel des Investierens ist ein bestimmtes Risiko in Kauf zu nehmen, um eine maximale Rendite zu erhalten. Daher argumentieren einige Fondsmanager auch damit, dass aktive Maßnahmen vor den Folgen eines Markteinbruchs schützen.

Das Ergebnis?

Egal ob Fondmanager versuchten, den S&P Growth Index (Aktien, wie Microsoft und Google) oder S&P Small Cap Index (Aktien wie Yelp) zu schlagen, sie blieben hinter der Marktperformance.

Der S&P Growth Index schnitt nach einem Bericht von der S&P Global Company besser ab als 89,9 % der Investmentsfonds, die in wachstumsstarke Standardwerte investieren. Der S&P Small Cap erzielte 95,5 % höhere Renditen als vergleichbare Investmentfonds.



Natürlich gibt es auch Ausnahmen bei aktiv gemanagten Fonds. Da lässt sich viel diskutieren. Viele dieser Ausnahmen schlagen den Markt aber nur kurzfristig. Wenn diese Fonds dann auch für den Privatanleger bekanntwerden, ist der Höhepunkt bereits erreicht.

Darüber hinaus spielt das Gesamtvermögen des Fonds eine wichtige Rolle. Je mehr Vermögen dort hinein fließt, desto schwieriger wird dessen Verwaltung.

 

Nimm deine Finanzen selbst in die Hand

Für mich steht fest: wer sich selbst, um seine Finanzen kümmert, fährt langfristig besser. Es gibt Investmentstrategien, wie bspw. das Investieren in passiven Indexfonds oder ETF´s, welche vom Aufwand ebenso gering sind und deutlich weniger Gebühren kosten. Das Risiko lässt sich ebenfalls auf ein Minimum reduzieren. Die Finanzwelt muss also keinesfalls kompliziert und teuer sein.

Mehr über Anlageklassen oder die Grundpfeiler des Investierens  findest du hier auf meinem Blog. Eine interessante und einfache Art zu Investieren bietet die O´Higgins-Strategie.

Zudem habe ich auch ein Tutorial, bestehend aus mehreren Beiträgen, zusammengefasst, mit dessen Hilfe du von Beginn an deine Finanzen unter Kontrolle bringst. Es gibt also keine Ausreden mehr!

 

Hast du selbst Erfahrungen mit aktiv gemanagten Fonds gemacht? Welche alternativen Investmentstrategien verfolgst du? Ich würde mich über deine Erfahrungen und Sichtweisen freuen.

 

King regards,

Christian

 


Titelfoto zum Blogbeitrag: Pat Charles „Take that, Stock Exchange“ von flickr.com

2 thoughts on “Finanzmythos: Aktiv gemanagte Fonds”

  1. Guter Artikel mit vielen Quellenangaben und ich teile Deine Meinung.

    Nur sind wohl bei manchen zahlen die Größenordnungen verrutscht:
    „Genauso funktionieren aktiv gemanagte Fonds. Nach Tony seinen Recherchen beteiligen sich weltweit über 265 Millionen Anleger daran. Die Fonds umfassen damit insgesamt Kapital von 13 Milliarden Dollar“. Sind wohl eher Billionen gemeint, denn schon einzelne aktive gemanagte Fonds kommen auf deutlich über 1 Milliarde.

    „Robert Arnott, ein weiterer Finanzexperte, studierte über 15 Jahre die 200 größten aktiv gemanagten Fonds. Das Gesamtvermögen derer betrug über 100 Millionen Dollar. “ Auch hier müßten es eher 100 Milliarden sein.

    Ich selber habe noch zwei aktiv gemangte Fonds: Aktien Osteuropa, den ich aus einer Zeit gekauft habe, als es ETFs noch kaum gab. Ich bin immer hin- und hergerissen, den zu verkaufen, aber wenn ich ihn halte sind die Kursgewinne steuerfrei, da vor 2008 erworben.
    Der zweite: Unternehmensanleihen Asien. Hier gibts leider auch wenig gute ETFs und für Exoten ETFs sind dann auch schnell mal ein knappes Prozent TER drin.
    Sonst liegt bei mir einiges in ETFs mit TER bis 0,2 % und einem kleinem Tracking Error.

    Aber auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, den Markt zu schlagen, kann ich nicht die Finger davon lassen und halte recht vieles in Einzeltiteln. Aber dann geht nicht ein Viertel der Ertrages an Manager, die keinerlei Risiko eingehen (Annahme langfristig 6 % Ertrag und TER von 1,5 %), sondern ich bin mein eigener Manager.

    Wer z.B. in deutsche Small Caps investieren will, dann ist eine gut überlegte Einzelauswahl vielleicht gar nicht schlecht, denn beim SDAX/MDAX/TECDAX o.a. liegen ETFs auch schnell bei 0,6 % und mehr. Wer da bei einem sehr günstigen Broker kauft und lange liegen lässt, ist kostentechnisch im Vorteil. Man kann dann also in der Auswahl etwas schlechter als der Markt sein und trotzdem den Index schlagen.

    1. Hallo KostenRunter,

      danke für den Hinweis bzw. Nachtrag. Kann gut sein, dass dort eine Null bei der Angabe vergessen wurde. Ich denke aber, dass Prinzip bzw. was ich damit gemeint ist, sollte so jedem klar werden.

      Zu deinem Portfolio:
      Ich habe selbst nichts gegen Einzeltitel. Hauptsächlich besteht mein Wertpapier-Portfolio aus Einzeltiteln. So habe ich damals angefangen und bisher auch nicht verkauft. Ich bin da auch mein eigener Manager. Bisher fahre ich damit gut, wobei ich keine Aussage tätigen kann, wie sich diese Auswahl von Einzeltiteln dann bei einen Crash bewährt.

      Für die Meisten, die erst mit Wertpapiere in Kontakt kommen und für diejenigen, die den Zeitaufwand gering halten wollen, für die sind ETF´s eine super Alternative. Es gibt kaum andere Anlagemöglichkeiten mit so einem guten Verhältnis zwischen Zeitaufwand und Rendite. Einzeltitel müssen hingegen erst entdeckt und ausgewertet werden. Zudem sollte sich jeder dann ein ausreichend diversifiziertes Portfolio zusammenstellen (Länder, Branchen, etc.) ansonsten läuft es aus meiner Sicht auf eine Spekulation hin. Und diese Zusammenstellung kostet Zeit und Know-How.

      As heutiger Sicht würde ich mir einen gewissen Anteil an ETF´s zulegen, der einen großen Bestand im Portfolio ausmacht. Wenn ich dann noch interesse habe, mich deutlich mehr mit Wertpapiere auseinander zu setzen, würde ich dann einen weiteren kleineren Anteil in Einzeltitel ins Portfolio holen.

      Viele Grüße
      Christian

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